Joachim Grzega’s Blog

3. Januar 2012

50 Jahre James-Bond-Filme

Einsortiert unter: Unterhaltung/Entertainment — Schlagworte: , , , — grzega @ 00:03

Zwar gab es bereits 1954 einen ersten James-Bond-Film mit Barry Nelson, doch sind es die seit 1962 von EON produzierten Filme mit Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan, die James Bond zu einem Mythos des 20. Jahrhunderts gemacht haben. Die jüngeren Filme mit Daniel Craig sind keine typischen James-Bond-Filme mehr; ob man sich an sie später noch erinnern wird, bleibt abzuwarten. Die Craig-Filmen sind deutlich brutaler als die vorhergehenden Filme. Außerdem fehlen einige Elemente. Es gibt beispielsweise kaum Humor, keine Miss Moneypenny und keinen Q und auch keine Bestellung nach Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. Man muss allerdings zugeben, dass sowohl der Drink als auch der typische James-Bond-Spruch in den älteren Filmen ebenfalls nicht durchgängig präsent war…

1. “Wodka Martini geschüttelt, nicht gerührt”

In vielen Fällen bestellt Bond einen “Wodka Martini geschüttelt, nicht gerührt”, beileibe aber nicht in allen. Im ersten Film Dr. No (1962) heißt es noch “ Wodka Martini trocken … nicht umgerührt” (vom Zimmerkellner gesprochen; Min. 24). Das Wort geschüttelt kommt nicht vor. In Goldfinger (1964) heißt es in Min. 54 nur “einen Martini geschüttelt, nicht gerührt”. Ähnlich gibt es für Bond im Film Im Geheimdienst ihrer Majestät (1969) vom zukünftigen Schwiegervater Draco nur einen “Martini … geschüttelt, nicht gerührt” (Min. 22). In Moonraker (1979) kredenzt Agentin Manuela Bond einen “Wodka Martini, geschüttelt, nicht gequirlt” (Min. 56). In Lizenz zum Töten (1989) bestellt er einen “Medium Dry Martini … geschüttelt, nicht gerührt” (Min. 64). In Man lebt nur zweimal (1967) bezeichnet es Bond aus heutiger Sicht überraschenderweise als “Vollkommen.”, als ihm sein Kontaktmann in Japan einen Drink “gerührt, nicht geshaket” (Min. 21) überreicht. In Liebesgrüße aus Moskau (1963), Feuerball (1965), Diamantenfieber (1971), Leben und sterben lassen (1973), Der Mann mit dem goldenen Gold (1974), In tödlicher Mission (1981) und Der Hauch des Todes (1987) kommt der Spruch, soweit ich sehe, gar nicht vor. In Casino Royale (2006) ist das Zitat eingebaut, als der Kellner Bond fragt: “Geschüttelt oder gerührt?” Bond allerdings antwortet: “Sehe ich aus, als ob mich das interessiert?”.

2. “Mein Name ist Bond, James Bond.”

Auch dieses zum kulturellen westlichen Wissen gehörende Bond-Zitat taucht in den Filmen weit weniger auf, als man annehmen mag. In dieser Vollversion wird es zum ersten Mal erst 1969 von Lazenby gesagt (Im Geheimdienst ihrer Majestät, Min. 5). Die Kurzversion “Bond, James Bond” taucht im ersten Bond auf, allerdings ist dies nur die Satzbau-Kopie einer zuvor getätigten Äußerung von Bonds Gesprächspartnerin am Spieltisch (Min. 8).

James: “Ich bewundere Ihren Mut, Miss …”

Silvia: “Trench … Silvia Trench. Ich bewundere Ihr Glück, Mister …”

James: “Bond … James Bond” (das ist dann auch der Augenblick, wo wir Bond, gespielt von Connery, zum ersten Mal sehen).

Selbst diese Kurzform kommt in den 007-Filmen vor Lazenby nur noch in Goldfinger (1964) vor. Die Kurzversion findet sich als alleinige Form außerdem in den beiden Timothy-Dalton-Episoden (Hauch des Todes, 1987, und Lizenz zum Töten, 1989) auf. Ansonsten erfolgt in allen Bond-Filmen ab 1969 die Vorstellung in der Vollform des Zitats, selbst in Casino Royale (2006) – hier ist es der letzte Satz des Films.

3. Wer rüstet Bond aus?

Die Antwort, die ebenfalls zum kulturellen Wissen der westlichen Welt gehört, lautet … Q. Meist verbunden wird das Bild von Q mit Desmond Llewellyn, jenem Schauspieler, der in mehr James-Bond-Filmen mitgespielt hat als jeder andere Akteur. Aber so einfach geben das die sprachlichen Befunde nicht her. Im ersten Bond gibt es nur einen Major Boothroyd (im Orig. auch als Waffenmeister tituliert), der von Peter Burton gespielt wird. Desmond Llewelyn taucht erst im zweiten Bond-Film als Waffenmeister auf, im dritten dann mit dem Agentennamen Q. Dass Major Boothroyd und Q dieselbe Person sind, erfährt die Bond-Seher in Der Spion, der mich liebte (1977), als die russische Partnerin von 007 Q auf diese Weise anspricht. Wie gesagt: ab Goldfinger ist dann im Original von Q [kju:] die Rede. Im Deutschen wurde dies seltsamerweise als K übersetzt. Ab Feuerball wird dann auch im Deutschen Q verwendet – allerdings, wie damals üblich, in der deutschen Form: [ku:] (Jamaika wird daher in Dr. No auch mit j- statt mit dsch- gesprochen). Diese Aussprache hört man bis 1977 in Der Spion, der mich liebte. Manchmal allerdings wird Q gar nicht mit Agentennamen angesprochen. Einmal hört man hingegen seinen Agentennamen in Leben und sterben lassen (1973), obwohl er dort gar nicht in Erscheinung tritt, (aber Bond berichtet von ihm; Min. 11).Ab 1979 (Moonraker) hört man Bond [kju:] sagen. Dazu passt, dass auch in anderen Spielfilmen bis in die 1970er Jahre hinein amerikanische Buchstaben-Eigennamen eingedeutscht wurden, während der Fiesling in Dallas, das zum ersten Mal 1981 in Deutschland ausgestrahlt wurde nicht Jot-Err hieß, sondern Dschey-Aar.

4. Frauen in sprachlicher Hinsicht

In den Bond-Filmen tragen die Frauen eine reine von witzigen, teilweise anzüglichen Namen.

  • Honey Ryder ‘Honigsüße Reiterin’ in Dr. No (erscheint so bereits im Roman)
  • Pussy Galore ‘Muschi en Masse’ in Goldfinger (erscheint so bereits im Roman)
  • Kissy Suzuki ‘Küsschen Suzuki’ in Man lebt nur zweimal (erscheint so bereits im Roman)
  • Penny O’Toole ‘Penny Werkzeug’ (im Original Plenty O’Toole ‘Viel Werkzeug’) in Diamantenfieber
  • Tiffany Case ‘Tiffany-Etui’ in Diamantenfieber (erscheint so bereits im Roman)
  • Mary Goodnight ‘Maria Gutnacht’ in Leben und sterben lassen
  • Hasch-Mich in Der Mann mit dem goldenen Colt, im Original Chew-Me ‘Kau-Mich’
  • Lisl von Schlaf in In tödlicher Mission
  • Octopussy in Octopussy (erscheint so bereits im Roman)
  • Xenia Onatopp ‘Xenia Oben’ in Lizenz zum Töten
  • Miranda Frost in Stirb an einem anderen Tag

Genderlinguistisch ist interessant, dass Bond in Lizenz zum Töten (1989) seiner Partnerin dem Hotelangestellten gegenüber die Rolle der Privatsekretärin andichtet und sie als Miss Kennedy vorstellt. Sie besteht nach dem Weggang des Hotelangestellten darauf, dass Bond sie als Ms. (mit stimmhaften “S” am Ende) vorstellen solle. Die amerikanisch politisch korrekte Form für eine Frau, bei der der Familienstand unwichtig ist, bzw. eine Frau, bei der man den Familienstand noch nicht kennt. Im ersten Bond-Film hatte Dr. No Honey Ryder noch keines Blickes gewürdet. Das kann aber auch eine stereotype Wiedergabe der chinesischen Höflichkeitskonventionen gewesen sein (schließlich werden die chinesischen Damen stereotypisch als für unsere Begriffe extrem höflich dargestellt, hier sogar in einer ironischen Höflichkeit, da James und Honey ja umgebracht werden sollen).

5. Farbige in sprachlicher Hinsicht

Farbige sprechen sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Version mit Sprachfehlern – in der deutschen Version selbst dann, wenn sie es im Original nicht tun. Etwa in Minute 26 von Dr. No, als Bond eine Farbige fragt, wo er Quarrel finden könne. Die Frau antwortet im Original: “Him!”, kurz für “That’s him!”, wörtlich ‘Das ist er!’. Im Deutschen sagt sie dagegen: “Quarrel da!”. Auch Quarrel selbst muss im Original in Nicht-Standard-Sprache sprechen. Das muss er bei seinem zweiten Auftritt in Live and Let Die (1973) allerdings nicht mehr tun.

6. Bonds Fremdsprachenkenntnisse

In Man lebt nur zweimal sagt er, dass er in Oxford Sprachen studiert hätte. Und in der Tat kann er sich in einer Reihe von Sprachen zumindest auf Basis-Niveau verständlich machen, unter anderem Französisch, Italienisch, Griechisch, Arabisch, Japanisch, Chinesisch und im englischen Original auch Deutsch (In tödlicher Mission, 1981).

Bonds Fremdsprachenkenntnisse können also für alle Europäer ein Anreiz sein, hier noch ein wenig Lernaufwand zu betreiben, um so ein paar spannende Momente in fremden Kulturen erleben zu können.

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