Joachim Grzega’s Blog

15. März 2012

Kommunikation und Kommunalpolitik

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Der aktuelle Eintrag von Jean-Pol Martin in seinem Blog beschäftigt sich mit Koommunikation in der Kommunalpolitik, insbesondere die verbesserte Kommunikation zwischen Stadtrat und Bürgern.

Ich selbst habe vor kurzem im Mitteilungsblatt des SPD-Ortsvereins meines Heimatortes einen Betrag zur Kommunikation im Stadtrat selbst verfasst (Titel: “Zum Gegeneinander und Miteinander im Stadtrat”). Darin gehe ich auf die Anwendbarkeit des Kommunikationsmodells nach Rosenberg ein (wobei es mir vor allem um die strikte Trennung von unterschiedlichen Anlässen für Unmut ging).

13. März 2012

Humanistische Linguistik und gesponserte Schulmaterialien

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In meinem Buch Europas Sprachen und Kulturen im Wandel der Zeit stelle ich im letzten Kapitel Bausteine einer humanistischen Linguistik vor. Dabei geht es um die Vermittlung von sprachlichen-kommunikativen Grundkompetenzen. Dazu gehört nach meinem Verständnis auch, dass man erkennt, wann man Non-Profit-Texte vor sich hat, in denen es eher um “objektiverer Wahrheiten”, geht und wann Profit-Texte, in denen es eher um die Vermittlung “subjektiverer Wahrheiten” geht. In diesem Zusammenhang werbe ich auch dafür, sich Gedanken über Prinzipien eines ethischen Sprachgebrauchs zu machen. Dass dies notwendig ist, haben für mich die Beobachtungen deutlich gemacht, die in einem Beitrag der ZDF-Sendung WISO vom 12. März 2012 gesendet wurden.

Die Überschrift des Beitrages lautet “Wenn Kinder zu Kunden werden – Wie die Privatwirtschaft Marketing an Schulen betreibt”. Unter anderem wird aufgezeigt, wie erstaunlich rasch selbst von Abiturienten mit Leistungskurs Wirtschaftslehre einseitige Argumentationsmuster in gesponstertem (dem Staat Ausgaben sparendes) Schulmaterial unreflektiert übernommen werden. Hier die entsprechende Webseite: http://wiso.zdf.de/ZDFde/inhalt/9/0,1872,8357097,00.html

29. November 2010

LdL-Kontaktbrief November 2010

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LdL-Kontaktbrief 152 ist erschienen: (weiterlesen…)

29. Juli 2009

Sozialethik in der Wissensgesellschaft (2)

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Studien von Lawrence Harrison, Mariano Grondona, Jeremy Rifkin, Erik Händeler, Peter Spiegel und anderen haben darzulegen versucht, dass Wertesysteme und Kultur ent­schei­dend zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Als beson­ders förderlich erachten Harrison und Grondona unter anderem folgende Wertvorstellungen: Betonung der näheren Zukunft (nicht der Vergangen­heit, Gegenwart oder entfernten Zukunft), Arbeit als hoher Wert (nicht als Last), Genüg­samkeit und Investition, Erziehung und Bildung als hoher Wert, Ver­dienst (statt Beziehung), großer Vertrauensradius (über die Familie hin­aus), stren­ger ethischer Kodex (statt Korruption), Gerechtigkeit und Fair­ness oh­ne Ansehen der Person, horizontale Autorität (nicht vertikale Auto­ri­tät).

Erik Händeler beschreibt in seinem Buch “Geschichte der Zukunft” ebenso zutreffend, dass Unternehmen heute nicht mehr den Informationsfluss zwischen Maschine und Mensch verbessern müssen, sondern jenen zwischen Mensch und Mensch. Damit Informationen ungehindert fließen können, müssten wir lernen, mit Partnern in unserer beruflichen und privaten Welt in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Effizienz zu kom­mu­ni­zieren. Ähnlich schreibt Peter Spiegel in seinem Buch “Faktor Mensch” (2005, S. 11): “Mit der Zunahme der Bedeutung von Wissen wird gleichzeitig dessen kreativer Generator, Verarbeiter und Anwender immer wichtiger: der Mensch”. Und an anderer Stelle: “Statt dem alten Konkurrenzprinzip wird sich in der Beziehung zwischen den Wirtschaftspartnern am Markt das Kooperationsprinzip als das neue Erfolgsprinzip durchsetzen [....] Die umfassende Humanisierung des Lebens und die Förderung aller menschlichen Potenziale wird für jede Kommune und Nation zum unumgänglichen Erfolgsfaktor” (S. 10).

Vor diesem Hintergrund habe ich auch meine Abschiedsrede als Sprecher des sog. akademischen Mittelbaus (d.h. der wissenschaftlichen Mitarbeiter) gehalten. Aus dieser möchte ich hier einiges zitieren:

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist soweit. Die heutige Sitzung war die letzte Sitzung meiner Amtszeit, es war meine letzte Sitzung als Mittelbausprecher dieser Universität. Schon als Student war ich seit 1992 in Eichstätt hochschulpolitisch aktiv, seit 1999 sitze ich im Fakultätsrat. Das Amt des Mittelbausprechers trage ich seit 2001, bis 2003 unterstützt durch meinen Stellvertreter XXX, seit 2003 unterstützt durch meinen Stellvertreter XXX. Unterstützt hat mich außerdem XXX, der seit 2003 den Mittelbau im Senat vertritt. Allen dreien möchte ich für ihre Mitarbeit herzlich danken.

Als ich das Amt übernahm, war das erste große Thema – und es blieb ein solches bis 2006 – die Hochschulreform mit neuen Hochschulgesetzen. Daraus ergaben sich auch für den Mittelbausprecher zahlreiche Aufgaben für einen möglichst reibungslosen Übergang für jene Kolleginnen und Kollegen, die noch nach dem alten System ihren Qualifikationsweg begonnen hatten. [....] Es war ebenfalls darauf zu achten, dass neben der Juniorprofessur die reformierte Habilitation endlich umgesetzt würde. Letzten Endes geschah dies erst, als ich gegen alle Widerstände in der Fakultät als erster in Bayern die Habilitation nach neuem Muster abgelegt hat. Aber erst dann machte man sich Gedanken zu einer Habilitationsordnung an der KU.

Das zweite große Thema war die Sparrunde 2003/2004. Die Universität musste einen Plan vorlegen, um dauerhaft 2 Mio. Euro einzusparen. Die Hochschulleitung konnte ausreichend sensibilisiert werden. Es ist gelungen, dass keine Kollegin, kein Kollege die Qualifikationsphase unterbrechen musste. [....]

[....]

Im Laufe der Zeit habe ich große hochschulplitische Aktivitäten nur mehr eingeschränkt verfolgt. Ich hatte immer ein gewisses Legitimationsproblem angesichts der Tatsache, dass nicht einmal 10 Prozent der Mittelbauangehörigen zu den Mittelbausitzungen kommen. Durch die Studienbeitragsstellen sind es mittlerweile nicht einmal mehr 5 Prozent. Außerdem bestanden in den einzelnen Fächern und unter Doktoranden, Habilitanden und dauerhaft beschäftigen Kollegen hochschulpolitische Vorstellungen, die nicht immer unter einen Hut zu bringen waren.

Ich habe meine Aktivitäten daher darauf konzentriert, Notfallmanagement unter dem Ziel “Gerechtigkeit” zu betreiben. Das hieß beispielsweise einzugreifen, wenn ungerechterweise und ungerechtfertigterweise der Vertrag eines Kollegen nicht verlängert werden sollte oder wenn eine Kollegin plötzlich ihr Arbeitszimmer räumen musste, ohne einen Ersatzarbeitsplatz zu erhalten. Notfallmanagement unter dem Ziel “Gerechtigkeit” betraf auch die generelle Gleichbehandlung von Leuten mit gleichen Aufgaben und Leistungen. Das betrifft die Regelungen von Beförderungen und Deputatsreduzierungen. Uns ist es gelungen – vor allem dank dem Einsatz von XXX – in diesem Bereich leichte Besserungen zu erreichen, aber es sind auch noch viele Wünsche offen.

Ich glaube, dass ich meinen Aufgaben nachgekommen bin. Dass mir wegen meines Engagements für Gerechtigkeit einmal ein Professor drohte, für einen Eintrag in meiner Personalakte wegen angeblicher Amtsanmaßung zu sorgen, kann ich ziemlich locker wegstecken. Weniger Verständnis kann ich aufbringen, wenn Mittelbauler einmal im Jahrzehnt bei den Mittelbausitzungen auftauchen, aber bei Problemen, die sie persönlich betreffen, mit kritischem Ton äußern, dass der Mittelbau hier mehr Aktivität zeigen müsse – ohne dass sie über laufende Aktivitäten Bescheid wüssten – und mit eigenen Aktionen Bemühungen des Mittelbausprechers sogar noch gefährden. Wenig Verständnis habe ich ebenso wenig für Leute, die sich für ein Gremium wählen lassen und dann auf keiner einzigen Sitzung des Gremiums auftauchen. Noch weniger Verständnis hatte ich für Intrigen, die von Mittelbaulern angezettelt worden sind, gegen mich oder auch gegen XXX. Aber es gibt auch Intrigen unter Professor, unter Studenten, zwischen Professoren und Studenten. Intrigen mögen an der Uni Eichstätt wie auch in anderen Betrieben gang und gäbe sein. Sie mögen für den einzelnen auch zum Vorteil sind, ja, nicht aber aber für die Gruppe, für die Mitarbeiter. Wertesysteme tragen entscheidend zur Entwicklung einer Gesellschaft bei; und in einer Wissensgesellschaft – und damit erst recht in einer Bildungseinrichtung – ist Kooperation mehr gefragt als Konkurrenz. Darüber hinaus sind solche Intrigen schlicht unethisch. Ich wünsche mir für die KU, dass die K-Frage an den zwischenmenschlichen Umgang in diesem Haus gebunden wird.

Zu den Aktivitäten an der KU kam die Arbeit in der LAMB, der Landesvereinigung Akademischer Mittelbau Bayern. Dreimal haben wir LAMB-Sitzungen in Eichstätt organisiert. Von 2003 bis 2007 habe ich mich in der LAMB als Stellvertreter unseres damaligen Sprechers XXX für die Belange der bayerischen Mittelbauler eingesetzt. Es war gut, dass XXX der Sprecher war: er hatte eine ausgleichende, diplomatische Art, die dazu beigetragen hat, dass die Mittelbauler Bayerns heute nicht in einer schlechteren Situation sind. Die LAMB ist mittlerweile – auch hier waren Intrigen im Spiel – durch den Landesverband Wissenschaftler in Bayern ersetzt worden. Ich glaube aber, dass es für die Universität Eichstätt mit seiner nicht-staatlichen Sonderstellung gut war, dass sie einen Vertreter im Vorstand der LAMB hatte. Ich konnte so in mehreren Gesprächen mit dem Minister Goppel auf KU-spezifische Probleme aufmerksam machen, z.B. wenn Satzungen nicht zuließen, dass die KU an finanziellen Sondertöpfen des Freistaates partizipieren konnte.

Des Weiteren hatte ich einen guten Draht [....]

[....] Die Hochschuldidaktik ist ein Gebiet, das mich weiterhin brennend interessiert und zu dem ich forsche und fortbilde. Ebenso gibt es eine Reihe von Projekten in den Bereichen Eurolinguistik und Sprachdidaktik, die mich derzeit voll erfüllen und meinem Tun einen Sinn geben. Ich möchte daher mein hochschulpolitisches Engagement nicht weiterführen. Der mir nachfolgenden Person wünsche ich ein Arbeitsklima mit ethisch-moralischen Ansprüchen. Ich wünsche ihr Souveränität, Kraft und mutige Unterstützer, um das Amt so ausfüllen zu können, dass sie anderen und sich selbst damit Glück bereiten. Vielen Dank!

28. Juli 2009

Sozialethik in der Wissensgesellschaft: Zu Umgangsformen an der Uni

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Heute aus aktuellem Anlass ein sozialethischer Beitrag. Auf einer Sitzung neulich stellte sich für mich wieder einmal die Frage: herrschen nur an der sog. Katholischen Eichstätt-Ingolstadt diese unkollegialen, unanständigen Umgangsformen oder sind sie an vielen Unis oder gar in vielen Betrieben üblich. Sollte dieser Umgangston weit verbreitet sein, so würde die KU Eichstätt sehr gewinnen, wenn sie die Frage nach dem katholischen Profil verbinden würde mit dem Umgang miteinander an der Universität selbst. Konkret hat sich Folgendes ereignet: Die bessagte Sitzung war zu einem Termin, für den ich auch eine Sitzung eines Gremiums eingeplant hatte, dem ich vorstehe. Wegen der Wichtigkeit der Themen auf beiden Sitzungen hatte ich meine Sitzung auf 19.00h statt auf 18.00h angesetzt. Auf der ersten Sitzung waren sehr wenige Mitglieder, so dass die Beschlussfähigkeit nur knapp erreicht war. Schon zu Beginn hatte ich gesagt, dass ich heute noch eine weitere Sitzung hätte. Während der Sitzung ging erst eine Kollegin – dies wurde nicht weiter kommentiert – dann ging ein zweiter Kollege – dies wurde nicht weiter kommentiert. Ich wies dann um 18.15h, als sich die Diskussion zu einem Punkt wieder einmal sehr umfangreich gestaltete daraufhin, dass um Punkt 19.00h meine Mittelbausitzung begänne. Der Sitzungsleiter erklärte, dass man dann nicht mehr beschlussfähig wäre und versuchte die Abarbeitung der einzelnen Punkte zu beschleunigen. Beim letzten Punkt – es war bereits 18.52h – wurde vom Antragsteller wieder sehr viel erklärt, obwohl alles auch vorher schriftlich verteilt worden war. Um 18.55h habe ich dann eingepackt und bin dann schließlich von meinem Platz aufgestanden. Der Antragsteller: “Bleiben Sie doch noch, sonst sind wir nicht mehr beschlussfähig.” Ich: “Ich habe es ja gesagt, dass ich um 19.00h eine weitere Sitzung habe.” Daraufhin ein “Kollege”: “Das ist ja ein unmögliches Verhalten.” Der “Kollege” hat mich bereits in der davor liegenden Sitzung dafür kritisiert, dass ich von meinem Recht Gebrauch mache, mich einer Abstimmung zu enthalten – ein zuvor nie dagewesener Vorgang. Diese erneute unsachgemäße Bemerkung verleitete mich dazu, dann nochmals lautstark darauf hinzuwiesen, dass ich meinen zweiten Termin angekündigt hatte. Spontan fügte ich hinzu: “Sie beschäftigen sich so gern mit der K-Frage [=Frage nach dem katholischen Profil]. Aber Sie sind noch drauf gekommen, dass K zunächst vielleicht mal mit dem Umgang miteinander zusammenhängen könnte.” Der Sitzungsleiter nahm das Wort dann an sich und bat mich noch 1 Minute für die Abstimmung zu bleiben. Das habe ich natürlich getan und bin danach gegangen. Ob bei den übrigen Sitzungsteilnehmern eine diesbezügliche Sensibilisierung stattgefunden hat, kann ich freilich noch nicht sagen. Aber auch angesichts mancher Fälle von Schikanierungen, die mir als Mittelbausprecher zugetragen worden sind, möchte ich nochmals unterstreichen: Werbung mit einem Kodex der Umgangsformen würde sich meines Erachtens für die Katholische Universität gut machen. Auf der Dauer muss das An-giften zum Untergang einer Uni, eines Betrieb, eines Gesellschaft führen. Beispiele gibt es in der Geschiche zuhauf. Nach Ansicht von prominenten Autoren wie Peter Spiegel, Jeremy Rifkin und Erik Händeler ist in der sich entwickelnden Wissensgesellschaft ein Miteinander mit Toleranz und Empathie wichtiger denn je.

29. Juni 2009

Wie Kollegen “Linguistik für die Gesellschaft” mit allen Mitteln bekämpfen

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Spätestens seit meiner Habilitation mit 32 Jahren sehe ich mich immer wieder heftigen Attacken ausgesetzt – wenn ich es richtig einschätze, dann nicht nur, weil ich der jüngste Habilitierte war, sondern auch wegen der innovativen Wege, die ich verfolge.

Mein Konzept BGE und damit im Zusammenhang stehende Projekte im Sinne einer Linguistik, die sich am Bedarf in der Gesellschaft orientiert, kann man natürlich kritisieren. Traurig wird es aber, wenn Kollegen dies sogar mit nach meinem Empfinden ethisch verwerflichen Mitteln bekämpfen.

Fall 1: Ein Kollege hat als Mitglied eines überregional wichtigen Arbeitskreises von Fremdsprachenforschern in einer Lehrerzeitschrift BGE völlig falsch darstellen (es bestünde nur aus Gesten und Einzelwörtern) und dann die angeblich schädlichen Konsequenzen aufführen lassen (so als hätte man dazu auch schon Ergebnisse aus größeren Studien). Darin kündigt er sogar an, das Kultusministerium einschalten zu wollen. (Das Konzept läuft indes mit wachsendem Erfolg in Goldkronach weiter). In einem Gespräch, in dem ich dem Kollegen nochmal die Kommunikationskompetenz darlegen wollte, die die Schüler mit BGE erworben hatten, meinte er, der Arbeitskreis sei mittlerweile wieder der Überzeugung, dass Sprachrichtigkeit vor Kommunikationskompetenz gehen müsse. Dies ist schon etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass der mittlerweile verstorbene Initiator des Arbeitskreises einer der “Väter der kommunikativen Kompetenz” war. Neben der Pressedarstellung und der neuen Politik des Arbeitskreises kommt jedoch nun noch der Gipfel, bei dem man nicht weiß, ob man lachen, den Kopf schütteln oder Mitleid zeigen soll: Studierende erzählen mir, dass derselbse Kollege im Seminar mittlerweile (zum Teil wörtlich) meine Positionen vertritt…

Fall 2: Ein anderer Kollege hat zu einem meiner Bücher eine Rezension in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Selbstverständlich kann er eine andere Meinung zum Aufbau und zur Aussage des Werkes haben. Bedauerlich ist aber auch hier, dass der Kollege meint, dies mit Fehldarstellungen unterstützen zu müssen. Auf den 4 Seiten Rezension habe ich doch tatsächlich ein Dutzend Tatsachenbehauptungen gefunden, die falsch sind. Dazu kommt noch eine Anzahl von suggerierten Fehlern. Ich habe mir erlaubt, (a) eine Gegendarstellung einzureichen und (b) einen persönlichen Brief an den Kollegen zu schreiben. Dieser ruft mich nun und “bietet” zwei Optionen an: (1) entweder ich bestünde auf der Gegendarstellung, dann würde er eine weitere, ausführlichere und negativere Rezension verfassen und außerdem hinkünftig stets negative Urteile über mich abgeben, wenn er (etwa im Rahmen von Berufungsverfahren) von anderen Kollegen in Deutschland darum gebeten würde, oder (2) ich zöge die Gegendarstellung zurück und er ließe mir seine weiteren Kritikpunkte privat zukommen. Nun lasse ich mich von solchen “Drohungen” grundsätzlich nicht beeindrucken, halte es aber dennoch für lohnender, dem Kollegen auf privaten Wege meine Ideen für ihn klarer darzustellen, damit evtl. falsche Vorstellungen zu korrigieren und ihn am Ende vielleicht doch noch vom Wert der Ideen zu überzeugen.

Man darf freilich nicht vergessen, dass es glücklicherweise auch Kollegen gibt, die mich immer wieder stark unterstützen und ermuntern, weiter zu machen. Denn dies ist auch nicht selbstverständlich.

6. Mai 2009

Hochschulpolitisches Engagement

Einsortiert unter: Ethik, Varia — Schlagworte: — grzega @ 08:26

Es stehen demnächst wieder Hochschulwahlen an. Meine Projekte in Forschung und Lehre füllen mich mittlerweile vollkommen aus und ich empfinde mittlerweile – im Gegensatz zu meinen Anfangsjahren – wenig Freude am hochschulpolitischer Arbeit. Es verpufft zu viel Energie, großes Engagement und große Kreativität scheinen gar nicht erwünscht, die Stimmung bzw. die Atmosphäre ist derzeit eine, der ich wenig abgewinnen kann. Aus diesem Grunde will ich nach 17 Jahren hochschulpolitischer Tätigkeit als Student und Nachwuchswissenschaftler nicht mehr kandidieren. Da die Arbeit nicht immer einfach war, habe ich es mir erlaubt, folgende Abschiedsmail an die Kollegen zu verfassen.

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wieder einmal stehen Hochschulwahlen vor der Tür. Wer sich gerne als Mittelbauvertreter für den Fakultätsrat der SLF aufstellen lassen möchte, möge sich bitte bis Ende der Woche bei mir melden. Ich selbst werde mich diesmal nicht mehr aufstellen lassen.

Seit 17 Jahren bin ich für die Fakultät hochschulpolitisch aktiv (10 Jahre davon im Fakultätsrat) – länger als viele andere dieser Fakultät. Ich habe mich dabei vor allem für Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, kollegialen Umgang und Fortschritt engagiert – für den Mittelbau, für andere Gruppen, für das Dekanat, für die Fakultät. Mein Engagement hat mir eine Zeitlang sogar die Beinamen “Mr. SLF” und “Vizedekan” eingebracht. Leider hat das Engagement eine Zeitlang auch dazu geführt, dass mir bei eigenem Bedarf wenig Unterstützung zuteil wurde; einige wollten mich zur “persona non grata” erklären; einige haben sogar üble Nachrede betrieben, die mich schließlich einmal zu einem Rundbrief mit deutlichen Worten bewogen hat, der dankenswerterweise auch vom damaligen Dekan unterstützt worden ist. Es hatte den Anschein, als ob sich Mitglieder dieser Fakultät ob meines Engagements und damit natürlich auch der erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen von mir bedroht gefühlt hätten. Doch wer mich kennt, der weiß, dass er bei mir Vorteilsnahme, Intrigen und Mauscheleien nicht fürchten musste; jedoch konnte er sich gewiss sein, dass ich bei administrativen Problemen helfe und dass ich mich für Recht, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit einsetze – trotz mancher Widrigkeiten.

In den vergangenen Monaten haben sich in meinem Leben neue Entwicklungen ergeben. Ich habe nach der Pensionierung von Jean-Pol Martin einen Teil seiner Projekte übernommen; daneben habe ich eine Reihe von eigenen schulischen, hochschulischen und außerschulischen Forschungs- und Lehrprojekten – all diese Projekte sind für mich derzeit voll erfüllend. Aus diesem Grunde möchte ich mein bisheriges hochschulpolitisches Engagement in dieser Fakultät nicht fortführen. Ich möchte mich aber bei allen bedanken, die mich in den vergangenen 10 Jahren als einen der Mittelbauvertreter der SLF unterstützt haben. Der Fakultät wünsche ich für die Zukunft ein größeres Gemeinschaftsgefühl. Den zukünftigen Mittelbauvertretern wünsche ich Souveränität, Kraft und mutige Unterstützer dafür, dass sie das Amt so ausfüllen können, dass sie anderen und sich selbst damit Glück bereiten.

Schönen Gruß

Ihr/Euer

Joachim Grzega

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