Joachim Grzega's Blog

26. August 2010

Handbuch der Eurolinguistik erschienen

Filed under: Eurolinguistik, Pragmatik, Sprachdidaktik — Schlagwörter: , , — grzega @ 14:51

Das von Uwe Hinrichs herausgegebene Handbuch der Eurolinguistik ist erschienen. Darin auch zwei Artikel von mir, nämlich zu Global English (incl. BGE) und zu Kommunikationsstrategien in europäischen Sprachen.

Im 20. Jahrhundert hat sich das Englische zur wichtigsten europäischen und globalen Weltsprache entwickelt. Ob sich dies diese Entwicklung im Sprachsystem und in der Fremdsprachenpolitik Europas widerspiegelt, ist die Frage, die der erste Beitrag zu beantworten versucht. Zunächst werden die Merkmale des Englischen als Weltsprache anhand von Beobachtungen zu gelungener Kommunikation zwischen Nichtmuttersprachlern sowie Nichtmuttersprachlern und Muttersprachlern gelistet. Es halten einige die Entwicklung eines typisch europäischen und/oder typisch globalen Englisch für möglich, andere stehen dem eher kritisch gegenüber. Es gibt sogar Befürworter der bewussten Entwicklung/Normierung einer eigenen euro-englischen Varietätet, die den Bedürfnissen von Nichtmuttersprachlchern, die in der EU leben und arbeiten, entgegen käme. Dies führt zur Frage nach der Verankerung eines Global English in Fremdsprachen- bzw. Mehrsprachigkeitskonzepten, die im zweiten Teil des Aufsatzes beleuchtet werden. Nach den Ideen von Charles K. Ogden (BASIC), Michael West, Lancelot Hogben, van Ek & Alexander (Threshold Level English), Gabriele Stein und Jean-Paul Nerrière wird Basic Global English vorgestellt. Dass die Akzeptanz von Lingua-Franca-Formen praktisch den mündlichen, aber nicht den schriftlichen Bereich betrifft, wird auch andernorts gesehen. Es gibt jedoch auch Stimmen, die das geschriebene Englisch in absehbarer Zeit ebenfalls von der Globalisierung tangiert sehen. Ob überhaupt erfolgreiche Formen, die von muttersprachlichen Normen abweichen, im Unterricht akzeptiert werden sollen, ist jedoch umstritten.

In meinem zweiten Handbuch-Beitrag geht es um die Darstellung des “europragmatischen” Wissensstandes. Es geht im Wesentlichen um Konnotationen (= Wortassoziationen) und Sprechaktrealisierungen (= situationsbezogene Gesprächsmuster), um die Gesprächsgepflogenheiten, die sich in den Sprachgemeinschaften Europas entwickelt haben. Die Europragmatik ist ein sehr junger Zweig der Eurolinguistik und so gibt es mehr Wissenswünsche als gefestigtes Wissen. An vergleichbaren Datensammlungen für die europäischen Sprachen fehlt es bislang. Hilfsmittel finden sich in der Form von Stilbüchern und Sprachreiseführern. In vielen Studien sind zu einer kleinen Zahl von Sprachen die unterschiedlichen Verwirklichungen von Sprechabsichten (allen voran Bitten) untersucht worden. Die meisten beschränken sich dabei auf den Vergleich zweier Sprachen bzw. Sprechergemeinschaften. Der Beitrag geht dann zunächst auf einige allgemeine Modelle ein, die Kultur und Gesprächsverhalten einzuteilen versuchen: jene von Hall, Hofstede sowie Brown & Levinson. Im Anschluss erfolgen beispielhafte europäische Betrachtungen einiger Sprechhandlungen: Anreden, Begrüßen und Verabschieden, Small-Talk, Bitten, Sich entschuldigen, Komplimente und Reaktionen auf Komplimente, eine andere Meinung ausdrücken, Einladungen, Wortassoziationen (Konnotationen).

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