Joachim Grzega's Blog

29. Dezember 2010

Eurolinguistik und das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Das ablaufende Jahr 2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. In meinen eurolinguistischen Seminaren versuche ich, zum Thema des Europäischen Jahres einen Bezug zu schaffen. Ich rege meine Studierenden an, sich für ihre Hausarbeiten oder Studienabschlussarbeiten ein entsprechendes Thema zu wählen. Dies ist gerade dieses Jahr interessant gewesen, da es bislang kaum Studien zum Zusammenhang zwischen spraclhichen Aspekten und sozioökonomischen Zuständen gibt. Die beiden besten studentischen Arbeiten wurden nun für eine Publikation im Journal for EuroLinguistiX ausgewählt.

In Anja Eckelts Studie werden 50 Länder, die 5 verschiedene Typen von Amtssprachenpolitik betreiben, ausgewählt. Mittels einer sog. multiplen Regressionsanalyse wird der Prozentsatz der Muttersprachler der Amtssprache(n) in diesen Ländern auf Korrelationen mit 8 sozioökonomischen Faktoren hin überprüft. Es kann dargelegt werden, dass (1) eine positive Korrelation zwischen dem Prozentsatz der Muttersprachler der nationalen Amtssprache(n) und der Lesekompetenz der Über-15-Jährigen in den jeweiligen Ländern besteht und (2) eine negative Korrelation zwischen dem Prozentsatz der Muttersprachler der nationalen Amtssprache(n) und dem Prozentsatz der Stadtbevölkerung besteht. 

Ziel der Studie von Jörg Göhler ist herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen staatlichen Förderungsmaßnahmen für Regional- und Minderheitensprachen auf der einen Seite und der Armutsrate und Arbeitslosenrate eines Landes auf der anderen Seite gibt. Die Studie vergleicht die Sprachpolitik der Länder, die die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen ratifiziert haben, mit den Faktoren der Armuts- und Arbeitslosenquote herzustellen. Weiterhin werden die sozioökonomischen Faktoren mit der Zahl der Sprachförderungsmaßnahmen (insgesamt und pro Sprache) in Beziehung gesetzt. Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist (1) ein mittelstarker Zusammenhang zwischen der Zahl der autochthonen Regional- und Minderheitensprachen und der Arbeitslosenquoten, (2) ein mittelstarker Zusammenhang zwischen Gesamtzahl der Sprachförderungsmaßnahmen und der Armutsrate eines Landes.

Schließlich habe ich selbst noch einen Beitrag verfasst. In diesem Beitrag werden der sozioökonomische Happy Planet Index (HPI; er berücksichtigt Lebenserwartung, subjektive Lebenszufriedenheit und Ökologischen Fußabdruck), der Human Development Index (HDI; er berücksichtigt Lebenserwartung, Bildungsgrad und Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) und teilweise der Human Poverty Index mit 12 Kategorien an Sprachpolitik für offizielle Kontexte und mit 4 Kategorien kulturspezifischer Kommunikationsmuster (wie sie von Geert Hofstede, Richard Lewis und Morrison/Conaway definiert werden) in Bezug gesetzt. Die folgenden Aspekte zeigen statistische Signifikanz: (1) Der durchschnittliche HPI von sog. individualistischen Ländern (= Ländern, bei welchen der Einzelne im Zentrum steht) ist schlechter als der durchschnittliche HPI von sog. kollektivistischen Ländern (= Ländern, bei welchen die Gemeinschaft im Zentrum steht). (2) Der durchschnittliche HDI von sog. individualistischen Ländern ist besser als der durchschnittliche HDI von kollektivistischen Ländern. (3) Der durchschnittliche HPI von dialog-orientierten Ländern ist besser als der durchschnittliche HPI von daten-orientierten Ländern. (4) Der durchschnittliche HDI von dialog-orientierten Ländern ist schlechter als der durchschnittliche HDI von daten-orientierten Ländern. (5) Der durchschnittliche HDI von linear-aktiven Ländern ist besser als der durchschnittliche HDI von multi-aktiven Ländern.

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