Joachim Grzega's Blog

23. August 2011

Neues Handbuch für eurolinguistische Fragen

Filed under: Eurolinguistik, Schule, Sprachdidaktik, Sprachgeschichte — Schlagwörter: , , — grzega @ 10:29

Ein neues DeGruyter-Handbuch, das speziell für Eurolinguisten relevant sein dürfte, ist nun erschienen: The Languages and Linguistics of Europe — A Comprehensive Guide, herausgegeben von Bernd Kortmann und Johan van der Auwera. Ich hatte die Ehre, darin den Beitrag „Language and the School: European Perspectives“ veröffentlichen zu dürfen. Dabei beschreibe ich zunächst die Entwicklung des Unterrichts der National- oder Staatssprachen seit dem 11. Jh. und die Entwicklung des Unterrichts von Regional- und Minderheitensprachen vor allem mit der Einführung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen 1992. Danach beleuchte ich kurz die Geschichte des Fremdsprachenunterrichts seit dem 10./11. Jh. (damals waren Französisch und Okzitanisch noch die beliebten Fremdsprache, die ein Europäer lernte; seit den 1980er fällt diese Rolle in der großen Mehrheit der europäischen Länder dem Englischen zu). Mit Ausnahme von Irland, Schottland und Italien ist der Erwerb einer Fremdsprache in der Schulzeit in allen EU-Ländern Pflicht, meist bereits in der Grundschule. In vielen Ländern sind sogar zwei Fremdsprachen Pflicht. Während die 1. Fremdsprache meist Englisch ist, ist die 2. Fremdsprache je nach Region verschieden: Deutsch in den skandinavischen Ländern, den Niederlanden, den Ländern Mittel- und Ostmitteleuropas (mit Ausnahme des Baltikums); Französisch in den südlichen Ländern; Russisch im Baltikum und Bulgarien. Schließlich gehe ich noch auf die Entwicklung der Unterrichtsmethoden seit dem Mittelalter ein: Latein wurde mit Hilfe von Grammatikbüchern unterrichtet (und zwar auf Latein). Moderne Fremdsprachen wurden im 16. Jh. mit Hilfe von Gesprächsbüchlein vermittelt: der Schwerpunkt lag auf den mündlichen Fähigkeiten für soziale Zwecke; daneben wurde das schriftliche Übersetzen zu literarischen Zwecken trainiert. Vom 17. bis 19. Jh. spielten mündliche Fähigkeiten hingegen nur eine untergeordnete Rolle im Fremdsprachenunterricht. Erst im 20. Jh. entwickelten sich nach als Reaktion auf die Lese- und die Grammatik-Übersetzungs-Methode zunächst die direkte Methode (in Deutschland und Frankreich entwickelt), bei der versucht wurde, das Erlernen der Fremdsprache wie das Erlernen der Muttersprache zu gestalten. Der Schwerpunkt lag auf dem korrekten Erwerb von Aussprache und Grammatik (dazu wurden in den späten 1960ern die ersten Sprachlabore gebaut). In den 1970ern verlagerte sich der Schwerpunkt von der Grammatikbeherrschung auf die “kommunikative Kompetenz”, d.h. dass man zunächst mal fähig war, (ungeachtet der Aussprache- und Grammatik-Kompetenz) ein Gespräch zu führen. Zusammengeführt wurden beide Arten von Zielen in LdL. Bis um das Jahr 1800 erfolgt der Unterricht durch nicht speziell ausgebildete Muttersprachler, danach von mehr oder weniger professionell ausgebildeten Fremdsprachenlehrern (der Grad der professionellen Ausbildung schwankt bis zum heutigen Tage sehr von Land zu Land). Der Anschluss bildet ein Blick auf Unterrichtskonzepte für Sprachen, die hauptsächlich als Weltverkehrssprachen, als internationale Sprachen dienen. Für das Lateinische wurden dazu keine speziellen Konzepte entwickelt; für Esperanto wurden seit Mitte der 1970er eine Reihe von Schulversuchen durchgeführt; bezüglich des Englischen ist Basic Global English als erstes einschlägiges Konzept zu sehen.

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