Joachim Grzega's Blog

30. Dezember 2011

Peter Alexander, Johannes Heesters und das Konzept der “heilen Welt”

Filed under: Unterhaltung/Entertainment — Schlagwörter: , , , , , , — grzega @ 00:01

Am Ende des Jahres möchte ich gern nochmal an zwei Künstler erinnern, die in diesem Jahr verstorben sind und die für mich als Hobby-Entertainer wichtig waren.

Zum einen verstarb im Februar Peter Alexander in seinem 85. Lebensjahr. Ihm verdanke ich durch seine Shows schöne Erinnerungen an Familienfernsehabende und durch seine Filme viele Nachmittagsmomente des Lachens. Ich war sogar bei einem seiner Live-Konzerte in Nürnberg dabei. Seine Fernsehshows liefen von 1966 bis 1995 (mit Publikum) bzw. 1996 (ohne Publikum). Meine bewusste, wenngleich szenenhafte Erinnerung an diese Shows geht zurück bis in die 70er Jahre. Die Konzeption seiner Shows mit einer Mischung aus Songs, Parodien, Sketchen und Umdichtungen von Liedern haben auch meine Art von Entertainment geprägt. Es waren meine ersten Show-Lektionen und meine ersten Lektionen in Weanerisch.

Zum anderen verstarb am Heiligabend kurz nach seinem 108. Geburtstag Johannes Heesters. Er wurde und ist seit vielen Jahren ein Baustein meiner Parodien. Auch ihn habe ich live erlebt, als er schon über 100 war. Durch ihn habe ich begonnen, mich für Operette zu interessieren, meine Stimme stilistisch auch in dieser Richtung auszuprobieren und dies auch in meine Auftritte einzubauen.

In den Fernsehzeitschriften werden die Filme der beiden oft mit einem Daumen nach unten (oder etwas Ähnlichem) beurteilt. Die Kritiker verkennen hier die Absicht der Filme. Mit ihren Filmen wollten die beiden Künstler nicht große Kunst im herkömmlichen Sinne schaffen. Sie wollten unterhalten. Beide Künstler stehen dafür, ein Stück heile Welt und Frieden schaffen zu wollen – und sei es auch immer nur ein paar Augenblicke (und dies insbesondere in den zwei Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg). Das mag auf manche unrealistisch und lächerlich wirken.

Aber warum eigentlich? Warum wird es als normal und “menschlich” hingenommen, wenn Gewalt, Ungerechtigkeit und Elend sich breit machen? Warum wird ein Ziel wie Weltverbesserung belächelt? Peter Alexander fragte selbst mal einen Interviewer: “Was haben Sie eigentlich gegen heile Welt?” Selbstverständlich hat es der Mensch in der Hand, Schlechtes nicht nur zu schaffen, sondern auch wieder abzuschaffen, zumindest zu reduzieren. Dies kann auf unterschiedliche Weisen geschehen, je nach individueller Begabung – zum Beispielen in politischen Aktivitäten, in künstlerischen Aktivitäten in Verknüpfung mit tagespolitischem Anspruch oder – wie bei Alexander und Heesters – in künstlerischen Aktivitäten ohne tagespolitischen Anspruch. Heesters sagte stets, er sei kein politischer Mensch. Peter Alexander meinte in oben genanntem Interview, er fühle sich eben von seinem Naturell und seiner Begabung her eher zur heilen Welt gezogen.

Peter Alexander und Johannes Heesters haben Menschen Freude bereitet und Sorgen vergessen lassen. Selbst junge Menschen, die bei der Aufbahrung Alexanders zugegen waren, sagten dem Reporter: wenn man schlecht drauf war, dann hat man seine Filme angeschaut und es ist einem wieder besser gegangen. Ähnlich scheint es den Menschen mit Heesters’ Auftritten gegangen zu sein.

In diesem Sinne ist das, was Peter Alexander und Johannes Heesters geleistet haben, doch große Kunst.

Möge ihre Energie in vielem weiterleben!

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