Joachim Grzega's Blog

26. März 2016

Stadtrat beendet EHP

Filed under: Varia — Schlagwörter: — grzega @ 17:15

Obwohl wir im EHP alle Auflagen des Stadtrates von Pappenheim erfüllt hatten, hat dieser  in seiner vorletzten Sitzung dennoch die Beendigung des EHP-Betriebs beschlossen. In der letzten Sitzung konnte ich noch einen Abschlussbericht über die Aufbauphase geben.

Hier der letzte EHP-Newsletter:

———–

Seit seinem Beginn wurde der EHP-Newsletter stets freigehalten von kommunalpolitischen Streitigkeiten um das EHP. Es ging ausschließlich um die Verbreitung der EHP-Inhalte. Dies ändert sich mit dieser Ausgabe, da die Stadtratsmehrheit beschlossen hat, den EHP-Betrieb zum 30.04.16 zu beenden. Angesichts der bisherigen Leistungen und einer gesicherten Unterstützung über eine knappe halbe Million Euro für die nächsten 3 Jahre im Rahmen von bereits getroffenen Stadtratsbeschlüssen zur inhaltlichen und finanziellen Fortführung kam die jetzige Entscheidung überraschend.

Bei Interesse am bisherigen inhaltlichen Angebot können Sie sich weiterhin an Prof. Dr. Joachim Grzega wenden, und zwar unter joachim.grzega@ku.de. Zu sonstigen Fragen rund ums EHP wenden Sie sich bitte an den 1. Bürgermeister der Stadt Pappenheim, Uwe Sinn, unter 09143/606-15.

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern des EHP und möchten uns mit einer letzten Veranstaltung im April verabschieden. Dazu in einer weiteren Mail noch mehr.

Nach der Entscheidung der Stadtratsmehrheit, den EHP-Betrieb zu schließen, hat EHP-Leiter Prof. Dr. Joachim Grzega noch einen Jahresrückblick und einen Gesamtrückblick auf die Aufbauphase gegeben. Wir drucken einen Auszug aus seiner Rede ab:

“In der ersten Hälfte des Jahres 2015 hat die Stadtratsmehrheit mir deutlich gemacht, dass das Hauptziel des EHP die Steigerung der Einnahmen sein soll. Ich hatte darauf hingewiesen, dass dies nur mit mehr Einsatz außerhalb von Pappenheim möglich sein würde. Die Stadtratsmehrheit hat dies so hingenommen. Die ursprüngliche Vorgabe, die drei Säulen Sprache, Kultur und Politik etwa gleichmäßig zu behandeln, wurde also aufgehoben. Deswegen gab es im Vergleich zu den Vorjahren weniger Veranstaltungen im EHP selber.

Dennoch ist es uns auch diesmal gelungen, Veranstaltungen im EHP anzubieten, die Aufmerksamkeit gebracht haben. Dazu zählt die Gesprächsreihe mit bayerischen EU-Abgeordneten. [….] Erwähnen kann man darüber hinaus die Premiere eines Dokumentarfilms bei uns im Haus mit anschließender Besprechung sowie die zweimonatlichen Quiz-Abende, bei denen man etwas über Geschichte, Natur, Kultur und aktuelle politische Geschehnisse erfahren konnte. Besonders gut besucht war 2015 der Nachmittag mit internationalen Wissenschaftlern, die dem Publikum ihre Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Sprache präsentiert und mit ihm diskutiert haben. Natürlich gab es auch wieder eine Reihe von Veranstaltungen im Zusammenhang mit unseren hocheffizienten Sprachlehr-Konzepten. Über dieses Angebot wurde erneut im Bayerischen Rundfunk berichtet. Und unsere Produkte aus Sprachlehrforschung sind es auch, die die meisten Einnahmen reinholen. So gelang es uns, 2015 mit Zuwendungen, Spenden und Gebühren zum ersten Mal einen Überschuss zu erwirtschaften. Bei der letzten Stadtratssitzung habe ich die Zahl bereits genannt. Es waren sage und schreibe 45.770,55 EUR. Und das bereits im dritten Betriebsjahr einer Bildungseinrichtung!

Lassen Sie mich nun einen Abschlussbericht über die gut 3 Jahre geben. 2012 hat sich der Stadtrat Pappenheim mich als Leiter des Europäischen Haus Pappenheim ausgesucht. Die Stadt hat sich dabei eine Person ausgesucht, von deren zusätzlichen Qualifikationen sie gewissermaßen gratis profitieren konnte. Der Stadtrat hatte mir für drei Jahre eine Liste von Zielen gegeben. Ich habe bereits mehrfach vor diesem Gremium gezeigt, dass wir die Ziele bereits nach eineinviertel Jahren erreicht hatten, also nach nicht einmal der Hälfte der Zeit. In der verbleibenden Zeit habe ich mich um die weitere Profilierung des EHP gekümmert, damit wir überregionale Bekanntheit erreichen. Zur Erreichung der Ziele bzw. für den Zeitraum von dreieindrittel Jahren hat der Stadtrat mir bei meiner Anstellung städtische Eigenmittel in Höhe von gut 240.000 EUR zur Verfügung gestellt. Wie viele Eigenmittel waren nun wirklich mit Ablauf des Jahres 2015 von der Stadt Pappenheim aufzubringen gewesen? Nach den Zahlen der Stadtkämmerei sind dies lediglich rund 127.000 EUR. In diesem Betrag sind allerdings auch die Reinigungskosten für die Tourist-Info und das benachbarte Gebäude einschließlich der öffentlichen Toiletten eingerechnet. Rechnet man nur den ungefähren Anteil der Reinigung für den EHP-Betrieb ein, dann hat die Stadt Pappenheim sogar nur rund 98.000 EUR für das EHP tragen müssen – nicht einmal die Hälfte der vom Stadtrat genehmigten Mittel.

Allerdings habe ich immer versucht, gesamtunternehmerisch zu denken. Das empfand ich als Pflicht gegenüber der EU, die eine große Summe in dieses Haus investiert hat und auch weiterhin zu investieren bereit war. Für mich war der gesamtökonomische Aspekt meiner Funktion wichtig. Dies drückt sich nicht allein in einer Zahl der städtischen Mittel aus. Mir war es immer wichtig, etwas zu schaffen, dass der Stadt und der Region mehr Kaufkraft bringt. Vieles nennt sich “europäisch”, aber wir wollten dieses Etikett ernst nehmen — durch Alleinstellungsmerkmale, durch ein besonderes hochwertiges Profil: (1) echt europäisch an Themen rangehen, (2) komplexe Zusammenhänge aufdecken und allgemein verständlich darstellen (oft humorvoll), (3) hocheffiziente Sprachlehrmodelle anbieten. Es war ein Profil mit Alleinstellungsmerkmalen, wie sie mir und meinem Team mit unseren Persönlichkeiten möglich war: Wilma Vogel, Claudia Sand, Sandra Schweihofer und Bea Klüsener.

Ich danke außerdem für die Unterstützung durch alle echten Freunde des EHP, in der Tourist-Info, im Kunst- und Kulturverein, im Städtepartnerschaftsverein, im Heimat- und Geschichtsverein. [….]

Ein solches Projekt wird im Idealfall nicht einfach nur bearbeitet, sondern belebt. Nur so kamen deutsche Gäste von Weltrang sogar ins kleine Pappenheim. Und wenn dank unseres Profils Personen aus Paris und Rom sogar wiederholt nach Pappenheim gekommen sind, dann zeigt dies, dass wir mit unserem besonderen Profil in Teilen sogar schon internationale Attraktivität erreicht haben. Wir haben so viele Beziehungen und soviel Vertrauen in unsere Arbeit geschaffen, dass wir sogar schon für ein Jahr eine halbe Lehrkraft gratis hätten haben können.

Noch wichtiger aber war mir, dass wir die komplexe Welt allgemeinverständlich und oft auch humorvoll erklären. Mir war wichtig, dass wir etwas Neues schaffen, das der breiten Bevölkerung einen Mehrwert bringt. Ich selbst war beteiligt an über 100 Veranstaltungen allein in Pappenheim […]. Für einen Mehrwert an Wissen und Können. Ein Mehr an Sprachkompetenzen, an politischer Aufgeklärtheit – überparteilich, rein auf der Grundlage von Beobachtungen der ökonomischen Wirklichkeit – ein Mehr an Bewusstsein über gemeinsame Geschichte und Werte, Bewusstsein für die Bedingungen von Frieden statt Krieg in Europa und der Welt, Bewusstsein für mehr Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität. Für mehr Miteinander statt Gegeneinander.

Denn dafür wollte die Europäische Union gemäß Lissabon-Vertrag ursprünglich stehen. All dies in den nächsten Jahren zu intensivieren, dafür wären finanzielle Mittel von verschiedenen Partnern bereits gesichert und eine Reihe von Ideen begonnen gewesen. Auch mit Partnern. Der Stadtrat hat allerdings einen Rückzieher gemacht. Doch zumindest wir im EHP wollen in diesem europäischen Sinne demnächst noch eine letzte Veranstaltung halten.”

Hier einige Beiträge in der Lokalpresse:

Weißenburger Tagblatt 1

Weißenburger Tagblatt 2

Der Skribent: Pappenheim aktuell

 

3 Kommentare »

  1. Übel! Vielleicht ein Trost: Sie haben so tolle Sachen gemacht, soviele Erfolge, die kann Ihnen niemand wegnehmen. Und Erfahrungen gesammelt, die Sie bestimmt nicht als ein Professor unter vielen irgendwo gewonnen hätten! Gerade habe ich aufgrund eines persönlichen Erlebnisses folgenden Eintrag in facebook eingespeist. Das passt, glaube ich, ganz gut hierher:

    Die einseitige Leistungsfalle.
    Nicht selten rutscht man ohne es zu merken in ein einseitiges „Lieferverhältnis“. Man will jemanden überzeugen, z.B. die Eltern, die Schwiegermutter oder irgendeine Instanz. Und man fängt an zu leisten und zu liefern. Das Gegenüber bleibt skeptisch und verlangt mehr Beweise für die Qualität dessen, was man bietet. Und schon steckt man in der Falle, wenn man das Phänomen nicht durchschaut: man liefert, liefert und liefert, bis zur Erschöpfung. Der andere sitzt bequem im Sessel und senkt immer wieder den Daumen. Das kann man überall beobachten, auch mit Behörden, Freunden oder Arbeitsgruppen.
    Du lieferst, lieferst, lieferst und den anderen wirst du nie überzeugen! Er bleibt „skeptisch“!
    Dann höre einfach auf zu liefern! So befreist du dich!

    Sie sind und bleiben ein toller Typ! Und Bea ist eine tolle Frau!

    Kommentar von jeanpol — 27. März 2016 @ 09:18

    • Lieber Herr Martin, besten Dank für die aufmunternden Worte!

      Kommentar von grzega — 28. März 2016 @ 15:37

      • Es ist meine tiefste Überzeugung und ich konnte sie im Rahmen intensiver Zusammenarbeit während knapp zwei Jahrzehnten gewinnen. Enormes Wissen gepaart mit großer Kreativität, Organisationsgenie und hohem ethischen Verantwortungsgefühl!

        Kommentar von jeanpol — 28. März 2016 @ 19:14


RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: