Joachim Grzega's Blog

30. Juni 2009

Holpern und Stolpern in Lindauer BGE-Stunde 5

Filed under: Sprachdidaktik — Schlagwörter: , , , , , — grzega @ 23:12

Nachdem die letzten beiden Sitzungen sehr gut gelaufen sind, war der Plan für die heutige Sitzung offenbar etwas zu anspruchsvoll:

  • Verfassen eines Faxes, um ein Hotel zu reservieren (ist noch auszuwerten)
  • Hörverstehen-Übung
  • Gruppenphase: Vorbereitung von Teilthemen
  • Wiederholungsgruppe
  • Wortschatzgruppe (Wochentagsnamen) mit Übung (auch zur Wiederholung schon bekannter Vokabeln
  • Grammatik: Vergangenheit
  • Wortschatzgruppe (Farbennamen)
  • Wortschatz- und Grammatikgruppe (Eigenschaftswörter und Komparativ)

Während der Phase der “Vergangenheits”-Gruppe musste ich unter- bzw. abbrechen, weil es die Teilnehmer überfordert hat. Auslöser war ein unbekanntes Wort, das nicht gleich geklärt wurde (die Sandwich-Technik wird noch nicht richtig beherrscht) und außerdem falsch ausgesprochen worden war. Aber dann zeigte sich auch, dass insgesamt noch nicht deutlich, langsam und laut genug vorgetragen wird und dass selbst die Vortragenden den Inhalt noch nicht ganz umrissen hatten. Schon in der Vorbereitungsphase war von zwei Gruppen geäußert worden, dass sie sich überfordert fühlten. Eigenartigerweise wurden z.T. sogar Wörter, die bislang jede Stunde dran gekommen sind, nicht mehr verstanden.

Welche Folgerungen ziehe ich daraus?

  • Möglicherweise ist es zweckmäßiger, den Teilnehmern doch noch längere Zeit deutsche Übersetzungen mit dazu zu geben.
  • Möglicherweise ist es zweckmäßiger, strukturelle Dinge (Grammatik) auf deutsch vorzutragen oder zumindest zweisprachig.
  • Möglicherweise ist es zweckmäßiger, Grammatik durch den Dozenten erklären zu lassen.
  • Möglicherweise ist es zweckmäßiger, die Arbeitsblätter für die Vorbereitungsphase bereits eine Woche vorher auszuteilen, so dass sich jeder schonmal damit vertraut machen kann, dann in der Kleingruppe sich nochmal austauscht und dann sicher vorträgt (abgewandeltes Think-Pair-Share).

Positiv zu vermelden ist jedoch, dass alle mit dem grundsätzlichen Aufbau (nach LdL) zufrieden sind!

25. Juni 2009

Wie mich heute eine Studentin faszinierte…

Filed under: Hochschuldidaktik/Lehre, Sprachgeschichte — Schlagwörter: , , , — grzega @ 22:46

Heute war ich total begeistert von der Leistung einer Studentin im Sprachgeschichtskurs. Eher im Scherz (weil sie auf schnelle Erledigung der Aufgabe drängte) bot ich ihr an, die Unterrichtssequenz weiterzuleiten. Und sie tat es. In den ersten drei Sitzungen hatte sie praktisch keine Ahnung von Sprachgeschichte und dachte von sich selbst, dass sie das niemals lernen würde. Was sie jedoch nun lieferte, zeugte von hoher Kompetenz. Sie konnte auf Antworten reagieren, diese ergänzen und sprach auch die altenglischen Formen korrekt aus. Toll! Ich habe gefragt, wie sie das geschafft hätte. Und sie und andere meinten, dass ja immer wieder die gleiche Art Probleme auftauche. Und diese Erkenntnis ist genau der Erfolg. Auch im weiteren Verlauf folgte schon fast im Chor die Nennung von Parallelbeispielen. Was also die Teilnehmer zu Beginn als absoluten Hürdenlauf sahen, wird nun – auch wenn hin und wieder immer kleine Fehler/Stolperer passieren – ein lockeres Jogging.

Mein Fazit: Es war und ist wichtig, gebetsmühlenartig Parallelbeispiele zu bringen; es war wichtig, die Technik “Think – Pair – Share” einzubauen; es war wichtig, die Leute gemäß LdL im Polylog Lösungen erarbeiten zu lassen.

Im Anschluss gab es noch ein LdL-gemäßes Lernspiel in Form eines Quizzes: Es gab drei Teams und einen Moderator. Jedes Team sollte sich 5 Fragen ausdenken. Dann stellte Team 1 die erste Frage. Wer von den anderen die Antwort wusste (auch nach Beratung im Team), meldete sich und durfte die Antwort sagen, z.B. Team 2. Dann entschied Team 1, ob die Antwort von Team 2 richtig war. War sie das, gab es einen Punkt für Team 2. War es die Antwort nicht und konnte Team 1 die Begründung geben, gab es einen Punkt für Team 1. Wenn auch die Lösung von Team 1 nicht richtig war, gab es für niemanden einen Punkt. Dann kam Team 2 als Fragesteller dran. Danach Team 3 etc. So konnte auch trainiert werden, Aufgaben und deren Musterlösung zu formulieren (für den Lehrerberuf eine zentrale Kompetenz).

29. Mai 2009

Think-Pair-Share + LdL = Sprachgeschichte easier!

Filed under: Hochschuldidaktik/Lehre, Sprachgeschichte — Schlagwörter: , — grzega @ 15:52

Die 3-stündige “Introduction to the History of English” lässt bei den Studierenden die Köpfe rauchen. Aber die Verknüpfung von LdL-Methode und Think-Pair-Share-Technik scheint mir im Kurs gut zu funktionieren. Ich bereite Quizzes vor, für die ich dann in der Sitzung selbst zwei Moderatoren finde/bestimme; diese versehe ich während die Think- und Pair-Phase mit der Musterlösung. Die Studierenden bieten mittlerweile wohl begründete und auch alternative Vorschläge für knifflige Probleme. Eine Studentin hat sich jetzt in der 5. Sitzung zum ersten Mal gemeldet und die Lösung für eine anspruchsvolle Aufgabe gebracht. Auch andere Studierende zeigen deutliche Verbesserungen. Es muss jedoch noch mehr die Verknüpfung geübt werden; manchmal sehen die Studierenden noch nicht, wie viel sie eigentlich wissen. Hier scheint mir am Wichtigsten, immer wieder die gleichen Beispiele zu bringen.

10. Mai 2009

Neugestaltung nach demokratischer Abstimmung: erste Erfahrung

Filed under: Hochschuldidaktik/Lehre, Sprachgeschichte — Schlagwörter: , — grzega @ 09:59

Nachdem die Kursteilnehmer demokratisch über die weitere Gestaltung des Kurses abgestimmt hatten, war ich zunächst sehr enttäuscht, dass sich manche nicht an die Absprache hielten und sich augenscheinlich nicht auf die Sitzung vorbereitet hatten. Somit ging die Übung, die als schnelle Wiederholung gedacht war, nur langsam voran. Glücklicherweise äußerte auch eine Studentin Unmut, dass sich andere, wenn schon über eine Neugestaltung abgestimmt worden ist, dann sich nicht an die Abmachung hielten.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer kam aber dann doch gut rein und konnte gut (auch in Partnerarbeit) argumentierte Lösungsvorschläge für Aufgaben zur Laut- und Formenentwicklung anbieten. Ich werde zukünftig Aufgaben mehr nach der Methode “Think-Pair-Share” durchführen: 1. die Studenten über die Aufgaben allein nachdenken lassen (denn jeder hat sein Denktempo und seine Denkwege), 2. die Studenten kurz über die Lösung austauschen lassen, 3. im Plenum Lösungen anbieten und besprechen lassen.

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