Joachim Grzega's Blog

28. Juli 2009

Sozialethik in der Wissensgesellschaft: Zu Umgangsformen an der Uni

Filed under: Ethik — Schlagwörter: , — grzega @ 21:11

Heute aus aktuellem Anlass ein sozialethischer Beitrag. Auf einer Sitzung neulich stellte sich für mich wieder einmal die Frage: herrschen nur an der sog. Katholischen Eichstätt-Ingolstadt diese unkollegialen, unanständigen Umgangsformen oder sind sie an vielen Unis oder gar in vielen Betrieben üblich. Sollte dieser Umgangston weit verbreitet sein, so würde die KU Eichstätt sehr gewinnen, wenn sie die Frage nach dem katholischen Profil verbinden würde mit dem Umgang miteinander an der Universität selbst. Konkret hat sich Folgendes ereignet: Die bessagte Sitzung war zu einem Termin, für den ich auch eine Sitzung eines Gremiums eingeplant hatte, dem ich vorstehe. Wegen der Wichtigkeit der Themen auf beiden Sitzungen hatte ich meine Sitzung auf 19.00h statt auf 18.00h angesetzt. Auf der ersten Sitzung waren sehr wenige Mitglieder, so dass die Beschlussfähigkeit nur knapp erreicht war. Schon zu Beginn hatte ich gesagt, dass ich heute noch eine weitere Sitzung hätte. Während der Sitzung ging erst eine Kollegin – dies wurde nicht weiter kommentiert – dann ging ein zweiter Kollege – dies wurde nicht weiter kommentiert. Ich wies dann um 18.15h, als sich die Diskussion zu einem Punkt wieder einmal sehr umfangreich gestaltete daraufhin, dass um Punkt 19.00h meine Mittelbausitzung begänne. Der Sitzungsleiter erklärte, dass man dann nicht mehr beschlussfähig wäre und versuchte die Abarbeitung der einzelnen Punkte zu beschleunigen. Beim letzten Punkt – es war bereits 18.52h – wurde vom Antragsteller wieder sehr viel erklärt, obwohl alles auch vorher schriftlich verteilt worden war. Um 18.55h habe ich dann eingepackt und bin dann schließlich von meinem Platz aufgestanden. Der Antragsteller: “Bleiben Sie doch noch, sonst sind wir nicht mehr beschlussfähig.” Ich: “Ich habe es ja gesagt, dass ich um 19.00h eine weitere Sitzung habe.” Daraufhin ein “Kollege”: “Das ist ja ein unmögliches Verhalten.” Der “Kollege” hat mich bereits in der davor liegenden Sitzung dafür kritisiert, dass ich von meinem Recht Gebrauch mache, mich einer Abstimmung zu enthalten – ein zuvor nie dagewesener Vorgang. Diese erneute unsachgemäße Bemerkung verleitete mich dazu, dann nochmals lautstark darauf hinzuwiesen, dass ich meinen zweiten Termin angekündigt hatte. Spontan fügte ich hinzu: “Sie beschäftigen sich so gern mit der K-Frage [=Frage nach dem katholischen Profil]. Aber Sie sind noch drauf gekommen, dass K zunächst vielleicht mal mit dem Umgang miteinander zusammenhängen könnte.” Der Sitzungsleiter nahm das Wort dann an sich und bat mich noch 1 Minute für die Abstimmung zu bleiben. Das habe ich natürlich getan und bin danach gegangen. Ob bei den übrigen Sitzungsteilnehmern eine diesbezügliche Sensibilisierung stattgefunden hat, kann ich freilich noch nicht sagen. Aber auch angesichts mancher Fälle von Schikanierungen, die mir als Mittelbausprecher zugetragen worden sind, möchte ich nochmals unterstreichen: Werbung mit einem Kodex der Umgangsformen würde sich meines Erachtens für die Katholische Universität gut machen. Auf der Dauer muss das An-giften zum Untergang einer Uni, eines Betrieb, eines Gesellschaft führen. Beispiele gibt es in der Geschiche zuhauf. Nach Ansicht von prominenten Autoren wie Peter Spiegel, Jeremy Rifkin und Erik Händeler ist in der sich entwickelnden Wissensgesellschaft ein Miteinander mit Toleranz und Empathie wichtiger denn je.

29. Juni 2009

Wie Kollegen “Linguistik für die Gesellschaft” mit allen Mitteln bekämpfen

Filed under: Ethik, Eurolinguistik, Varia — Schlagwörter: , , — grzega @ 22:49

Spätestens seit meiner Habilitation mit 32 Jahren sehe ich mich immer wieder heftigen Attacken ausgesetzt – wenn ich es richtig einschätze, dann nicht nur, weil ich der jüngste Habilitierte war, sondern auch wegen der innovativen Wege, die ich verfolge.

Mein Konzept BGE und damit im Zusammenhang stehende Projekte im Sinne einer Linguistik, die sich am Bedarf in der Gesellschaft orientiert, kann man natürlich kritisieren. Traurig wird es aber, wenn Kollegen dies sogar mit nach meinem Empfinden ethisch verwerflichen Mitteln bekämpfen.

Fall 1: Ein Kollege hat als Mitglied eines überregional wichtigen Arbeitskreises von Fremdsprachenforschern in einer Lehrerzeitschrift BGE völlig falsch darstellen (es bestünde nur aus Gesten und Einzelwörtern) und dann die angeblich schädlichen Konsequenzen aufführen lassen (so als hätte man dazu auch schon Ergebnisse aus größeren Studien). Darin kündigt er sogar an, das Kultusministerium einschalten zu wollen. (Das Konzept läuft indes mit wachsendem Erfolg in Goldkronach weiter). In einem Gespräch, in dem ich dem Kollegen nochmal die Kommunikationskompetenz darlegen wollte, die die Schüler mit BGE erworben hatten, meinte er, der Arbeitskreis sei mittlerweile wieder der Überzeugung, dass Sprachrichtigkeit vor Kommunikationskompetenz gehen müsse. Dies ist schon etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass der mittlerweile verstorbene Initiator des Arbeitskreises einer der “Väter der kommunikativen Kompetenz” war. Neben der Pressedarstellung und der neuen Politik des Arbeitskreises kommt jedoch nun noch der Gipfel, bei dem man nicht weiß, ob man lachen, den Kopf schütteln oder Mitleid zeigen soll: Studierende erzählen mir, dass derselbse Kollege im Seminar mittlerweile (zum Teil wörtlich) meine Positionen vertritt…

Fall 2: Ein anderer Kollege hat zu einem meiner Bücher eine Rezension in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Selbstverständlich kann er eine andere Meinung zum Aufbau und zur Aussage des Werkes haben. Bedauerlich ist aber auch hier, dass der Kollege meint, dies mit Fehldarstellungen unterstützen zu müssen. Auf den 4 Seiten Rezension habe ich doch tatsächlich ein Dutzend Tatsachenbehauptungen gefunden, die falsch sind. Dazu kommt noch eine Anzahl von suggerierten Fehlern. Ich habe mir erlaubt, (a) eine Gegendarstellung einzureichen und (b) einen persönlichen Brief an den Kollegen zu schreiben. Dieser ruft mich nun und “bietet” zwei Optionen an: (1) entweder ich bestünde auf der Gegendarstellung, dann würde er eine weitere, ausführlichere und negativere Rezension verfassen und außerdem hinkünftig stets negative Urteile über mich abgeben, wenn er (etwa im Rahmen von Berufungsverfahren) von anderen Kollegen in Deutschland darum gebeten würde, oder (2) ich zöge die Gegendarstellung zurück und er ließe mir seine weiteren Kritikpunkte privat zukommen. Nun lasse ich mich von solchen “Drohungen” grundsätzlich nicht beeindrucken, halte es aber dennoch für lohnender, dem Kollegen auf privaten Wege meine Ideen für ihn klarer darzustellen, damit evtl. falsche Vorstellungen zu korrigieren und ihn am Ende vielleicht doch noch vom Wert der Ideen zu überzeugen.

Man darf freilich nicht vergessen, dass es glücklicherweise auch Kollegen gibt, die mich immer wieder stark unterstützen und ermuntern, weiter zu machen. Denn dies ist auch nicht selbstverständlich.

Bloggen auf WordPress.com.