Joachim Grzega's Blog

29. Juni 2009

Wie Kollegen “Linguistik für die Gesellschaft” mit allen Mitteln bekämpfen

Filed under: Ethik, Eurolinguistik, Varia — Schlagwörter: , , — grzega @ 22:49

Spätestens seit meiner Habilitation mit 32 Jahren sehe ich mich immer wieder heftigen Attacken ausgesetzt – wenn ich es richtig einschätze, dann nicht nur, weil ich der jüngste Habilitierte war, sondern auch wegen der innovativen Wege, die ich verfolge.

Mein Konzept BGE und damit im Zusammenhang stehende Projekte im Sinne einer Linguistik, die sich am Bedarf in der Gesellschaft orientiert, kann man natürlich kritisieren. Traurig wird es aber, wenn Kollegen dies sogar mit nach meinem Empfinden ethisch verwerflichen Mitteln bekämpfen.

Fall 1: Ein Kollege hat als Mitglied eines überregional wichtigen Arbeitskreises von Fremdsprachenforschern in einer Lehrerzeitschrift BGE völlig falsch darstellen (es bestünde nur aus Gesten und Einzelwörtern) und dann die angeblich schädlichen Konsequenzen aufführen lassen (so als hätte man dazu auch schon Ergebnisse aus größeren Studien). Darin kündigt er sogar an, das Kultusministerium einschalten zu wollen. (Das Konzept läuft indes mit wachsendem Erfolg in Goldkronach weiter). In einem Gespräch, in dem ich dem Kollegen nochmal die Kommunikationskompetenz darlegen wollte, die die Schüler mit BGE erworben hatten, meinte er, der Arbeitskreis sei mittlerweile wieder der Überzeugung, dass Sprachrichtigkeit vor Kommunikationskompetenz gehen müsse. Dies ist schon etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass der mittlerweile verstorbene Initiator des Arbeitskreises einer der “Väter der kommunikativen Kompetenz” war. Neben der Pressedarstellung und der neuen Politik des Arbeitskreises kommt jedoch nun noch der Gipfel, bei dem man nicht weiß, ob man lachen, den Kopf schütteln oder Mitleid zeigen soll: Studierende erzählen mir, dass derselbse Kollege im Seminar mittlerweile (zum Teil wörtlich) meine Positionen vertritt…

Fall 2: Ein anderer Kollege hat zu einem meiner Bücher eine Rezension in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Selbstverständlich kann er eine andere Meinung zum Aufbau und zur Aussage des Werkes haben. Bedauerlich ist aber auch hier, dass der Kollege meint, dies mit Fehldarstellungen unterstützen zu müssen. Auf den 4 Seiten Rezension habe ich doch tatsächlich ein Dutzend Tatsachenbehauptungen gefunden, die falsch sind. Dazu kommt noch eine Anzahl von suggerierten Fehlern. Ich habe mir erlaubt, (a) eine Gegendarstellung einzureichen und (b) einen persönlichen Brief an den Kollegen zu schreiben. Dieser ruft mich nun und “bietet” zwei Optionen an: (1) entweder ich bestünde auf der Gegendarstellung, dann würde er eine weitere, ausführlichere und negativere Rezension verfassen und außerdem hinkünftig stets negative Urteile über mich abgeben, wenn er (etwa im Rahmen von Berufungsverfahren) von anderen Kollegen in Deutschland darum gebeten würde, oder (2) ich zöge die Gegendarstellung zurück und er ließe mir seine weiteren Kritikpunkte privat zukommen. Nun lasse ich mich von solchen “Drohungen” grundsätzlich nicht beeindrucken, halte es aber dennoch für lohnender, dem Kollegen auf privaten Wege meine Ideen für ihn klarer darzustellen, damit evtl. falsche Vorstellungen zu korrigieren und ihn am Ende vielleicht doch noch vom Wert der Ideen zu überzeugen.

Man darf freilich nicht vergessen, dass es glücklicherweise auch Kollegen gibt, die mich immer wieder stark unterstützen und ermuntern, weiter zu machen. Denn dies ist auch nicht selbstverständlich.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: